INDUSTRIAL and METAL WORKS

 

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Gefühl und Atmosphäre

 

In den Objekten spiegelt sich bewusst und unbewusst die Vielfalt intensiv erlebter Momente in den 1990er Jahren wider. Das hohe Maß an gefühlter Selbstbestimmung während des Erlebens von Subkulturen, die sich vor allem im Osten Anfang der Neunziger nahezu frei entfalteten, war ein stark prägendes Moment. Die neuen Sounds der elektronischen Musik in alten, nun leer stehenden Industriegebäuden erzeugten magische Augenblicke, die nicht mehr losgelassen werden wollten. Rostige Anlagen und endlose Rohrleitungen, bröckelnder Putz und unkultivierter Wildwuchs. Fremder, dunkler, tiefer, minimaler, mystischer und doch detail- und kontrastreicher, kreativer, bunter, lauter, größer als das bis dahin empfundene Weltbild.

Die BuFa in Großenhain, der ehemalige Panzerhof der russischen Armee in Dresden oder das Tacheles auf der Oranienburger Straße in Berlin erzeugten einige dieser historischen großen Ortsmomente, die sich in vielen unserer Metallskulpturen abbilden. Wenn irgend möglich, erzeugen wir für uns bis heute durch die Wahl entsprechender Werkstätten und Sounds eine Atmosphäre des industry destruction. Dadurch sehe ich meine Objekte auch anders als der unbeeinflusste Betrachter, der den Entstehungsprozess nicht kennt. Und wenn Schraubenmännchen wohl allgemein beliebt - und wohl auch schön sind, fehlt ihnen ein entscheidendes Element. Aber da wir von unseren Objekten nicht leben müssen, brauchen wir auf dieses Element nicht verzichten. Zumindest in dieser Hinsicht sind wir wirklich frei.

Mark

 

   
           
 

Metallskulptur/Schrottskulptur?

 

Hier bin ich wieder an einem Punkt, an dem sich das Befassen mit der Theorie der Metallgestaltung als nützlich erweisen würde. Aber letztendlich basieren Theorien auch nur auf Meinungen, und ich bilde mir meine eigene;) Schrott ist ein metallischer Werkstoff, der nach der Nutzungsdauer metallhaltiger Objekte oder als Abfallprodukt bei der Herstellung metallhaltiger Objekte entsteht. Für mich gibt es zwei Hauptgründe, Schrott zu verwenden: Der wichtigste Grund ist die Formenvielfalt des Altmetalls, die bei der Schaffung von Skulpturen oft besonders aufwändige Arbeitsschritte schon beinhaltet, sodass diese nicht mehr durch uns ausgeführt werden müssen. Hierzu zählen besonders kurvige, parabolische und sphärische Elemente. Gleiches gilt für das Trennen, was zum Beispiel bei Stanzabfällen durch die Industrie schon vorgenommen wurde (Vielen Dank!).

Der zweite Grund ist natürlich der im Vergleich zu neuwertigen Halbzeugen moderate Preis.

Wird jetzt eine Skulptur automatisch zur Schrottskulptur, weil ich Schrott verarbeite? Wird eine Skulptur zur Teilschrottskulptur, weil ich teilweise neuwertige Metallhalbzeuge mit einbauen?

Erste Intention war, die Schrottskulptur an der deutlichen Erkennbarkeit nicht zweckgebundener Elemente wie Schrauben oder offensichtlicher Fertigungsabfälle (z.B. Stanzabfälle) fest zu machen. Zumindest Schrauben kann man jedoch auch neuwertig erwerben, wodurch sie natürlich kein Schrott sind. Oder werden neuwertige Schrauben, wenn ich sie einmal in der Hand hatte, in anderen Augen zu Schrott?

Na ja, vielleicht ist es dann eine Schrottskulptur, wenn mehrere Aspekte zusammen kommen, die in ihrer Gemeinsamkeit darauf hindeuten, dass sie aus Schrott besteht? Natürlich ergibt sich auch die Möglichkeit, mit viel Aufwand eine Schrottskulptur aus neuwertigen Halbzeugen herzustellen. Sie ist letztendlich eine Metallskulptur, die den Anschein erweckt, eine Schrottskulptur zu sein.

Besser ist es, Metallskulptur als allgemeinen Oberbegriff zu verstehen. Die Schrottskulptur bildet eine besondere Teilmenge der Metallskulptur, indem sie die Eigenschaft besitzt, eben aus Schrott gefertigt worden zu sein. Eine reine Schrottskulptur ist es für mich, wenn die Elemente vom Schrottplatz nicht mehr nachträglich verändert, sondern nur noch gefügt wurden. Somit sind die meisten unserer Skulpturen oder Objekte keine reinen Schrottskulpturen, auch wenn das Ausgangsmaterial aus den oben genannten Gründen dem Schrott zuzuordnen ist. Vielmehr sind es  hybride Metallskulpturen. Wir bearbeiten die Schrottteile in unseren Skulpturen im Regelfall noch umfangreich, wodurch ihr wahre Historie oft nicht oder kaum noch zu erkennen ist.

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Nicht.Objekte

 

Der Gedanke zu non.objects entstand aus der Diskussion um die aktuelle Grenze des Kunstbegriffs, die nach unten hin oberhalb unserer Metallskulpturen enden sollte. Die folgenden paar Zeilen sollen lediglich eine sehr kurze Einführung zum Verständnis der dargestellten Nichtobjekte darstellen. Eine exaktere Fassung wird wohl unendlich schwerer werden.

Es ist bekannt, dass es keine allgemeingültige exakte Definition für Kunst gab, gibt und wahrscheinlich auch nicht geben wird. Es ist jedoch für den Einzelnen mehr oder weniger einfach, für sich zu entscheiden, was Kunst und Nichtkunst ist. Es ist eine persönliche Einstellungsfrage. Deshalb stimmen wir auch von tiefstem Herzen Sol LeWitt zu, der sinngemäß sagte: "Kunst spielt sich im Kopf ab".

   

 

Blauer Punkt vor weißem Hintergrund

 

Wenn Kunst Kopfsache ist, ergibt sich natürlich die Frage, ob sie dann auch wahrnehmbar sein muss, wie es zum Beispiel bei einer Skulptur der Fall ist? Über den Begriff Wahrnehmung lässt sich sicherlich noch viel sagen, aber muss Kunst mit Sinnesorganen erfassbar sein? Kann man sich trauen, 4'33'' von John Cage als Nichtkunst zu bezeichnen? Für uns ist es eines der eindrucksvollsten Werke, zudem von besonderer Bedeutung in unserer mit äußeren Reizen überfluteten Welt. Von daher ist der Gedanke von nicht mit Sinnesorganen erfassbarer Kunst nicht neu.

Der Titel des Nichtobjekts besitzt jedoch für das Verständnis eine zentrale Bedeutung, da es im Regelfall das einzige Kommunikationselement zwischen Objekt und Betrachter ist. Das Nichtobjekt wird um so deutlicher, je konkreter der Titel ist:

 

A quad and a circular area

 

A green quad and a blue circular area

 

A green quad and a blue circular area next the left side

 

 

Grüner Geier legt rote Eier

 

Nichtobjekte, die nur existieren, wenn und solange sich jemand mit ihnen im Gedanken beschäftigt. Für uns werden sie zu Kunst-Nichtobjekten, wenn sie von jemandem in seinem Kopf dazu stilisiert werden. In diesem Sinne sind die Nichtobjekte der non.objects auch zu verstehen.

Unsere Basisinstallation, ball and cube on metal base, hat zum Ziel, den Aufwand der Herstellung des Objektes zu begrenzen, indem es im Kopf erweitert und vervollständigt wird.

Das etwas weiter gefasste Konzept des Projektes ist es, die Grenzen des (künstlerisch) Schaffbaren in Richtung Nichtexistenz zu verschieben. Schaffen von allumfassender Nichtexistenz scheint dabei zu widersprüchlich, als dass es realisierbar ist. Es würde jeglichen bewussten Gedanken daran verbieten, was einen fehlenden Schöpfungsprozess und einem fehlenden Schaffenden bedeutet. Deshalb stellt sich eher die Frage, wie minimal Etwas sein kann, um trotzdem Kunst zu sein? Eine Skulptur hat beispielsweise eine große Anzahl von Eigenschaften bzw. Dimensionen: physikalische, chemische, biologische,...  Makrogeometrien, Mikrogeometrien, Massen,..., Farben, Wirkungen und Wechselwirkungen, Verteilung, ..., zeitliche Eigenschaften wie Schaffungsdauer, Vollendungszeitpunkt, Existenzdauer, Zerstörungsdauer, Zerstörungszeitpunkt, Zeit der virtuellen Existenz, ... ,  Aber auch (psychologische, weiche, nichtphysikalische..?) Dimensionen wie Anzahl und zeitliche Verteilung der Betrachter, Tiefe der Beschäftigung mit dem Etwas,...

....eigentlich nicht.objekt-objekte

 

       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
           
 

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